Er stammt aus einer bekannten Weinbaudynastie in Österreich, doch schon vor fast 20 Jahren verlagerte Lenz Maria Moser seine Aktivitäten ins Ausland. Seine be
GERALD STOIBER
Lenz Maria Moser (links) mit Interspar-Geschäftsführer Johannes Holzleitner im Europark.
SALZBURG. Lenz Maria Moser ist 68 Jahre alt und sprüht vor Energie. Vier Mal im Jahr fliegt der Winzer nach China. Dort ist er beim Ningxia Changyu Longyu Estate nicht mehr nur für die weltweite Vermarktung zuständig, sondern seit einigen Jahren lenkt er auch die Arbeit in den Weingärten und in der Kellerei. Was sich nach einem Abenteuer im Fernen Osten anhört, dauert bei Moser schon fast zwei Jahrzehnte - nächsten Sommer steht das 20-Jahr-Jubiläum an. Als er das erzählt bei seinem Besuch im Europark kürzlich, wirkt er direkt ein bisschen überrascht. Seit einigen Monaten sind die vier Weine der Linie "Changyu Moser XV" bei Interspar gelistet. Erstmals war Lenz Moser - er repräsentiert die 15. Generation seiner Weinbaufamilie aus Rohrendorf bei Krems - bei Interspar, um seine Weine bei einer Verkostung den Kunden direkt im Supermarkt zu kredenzen. Das wirkte ähnlich exotisch wie die Herkunft der Weine. Das Changyu Estate liegt mittig im Norden Chinas, in der autonomen Region Ningxia - etwa auf der geografischen Breite von Sizilien. Dort herrsche ein wüstenartiges Klima vor, schildert Moser, aber deshalb gibt es eben wenig Niederschlag und auch keine Schädlinge oder Rebkrankheiten. "Wir wollen Frucht transportieren", so beschreibt er die Idee bei seinen Weinen. Kühle Nächte sorgtenf ür eine gleichmäßige Verteilung der Säure. Der Aufwand ist beträchtlich: Wegen des kontinentalen Klimas müssen die Rebstöcke, die in rund 1100 Metern Höhe gedeihen, über den Winter zum Schutz eingegraben werden. Die rund 40 Zentimeter hohen Erdwälle werden dann im Frühjahr wieder entfernt, und zwar hündisch, um die Reben nicht zu beschädigen. 2013 wurde das neue Weingut eröffnet, in das rund 70 Millionen Dollar investiert worden seien. Die Produktion beträgt rund 500.000 Flaschen im Jahr. Doch bis 2015 seien die Weine "suboptimal, teuer und nicht gut genug" gewesen. Daher habe er sich dann entschlossen, sich auch um die Produktion zu kümmern. Heute werde rund 30 Prozent exportiert, rund 70 Prozent werde in China abgesetzt. Moser ist nicht am Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Südostchina hat, beteiligt, sondern hat einen Vertrag. "Ich bin die Langnase im Team", erzählt er lachend über die Zusammenarbeit mit einer Chinesin und drei Chinesen am Weingut. "Ich mag das Land. China bot mir Möglichkeiten, das Land auf die Weltweinkarte zu setzen", sagt Moser. Politisch äußere er sich nicht, daher gebe es keine Probleme. Beeindruckt zeigt sich Moser jedenfalls von der Motivation in Asien: "Chinesen haben einen unglaublichen Ehrgeiz", sie wollten zeigen, was sie können. Er habe im Lauf der Jahre auch Freundschaften geschlossen. Das Geschäft in China sei wie ein Kampfsport, schildert Moser, aber das halte einen eben auch wach.
Keine französischenWeine nachbasteln
Als das Familienweingut Lenz Moser (Marke: "Alter Knabe") 1986 an die oberösterreichische Firma VOG (zur Gruppe gehört auch die bekannte Rapsölmarke Rapso) verkauft wurde, blieb Lenz Maria Mo-ser noch bis 1998 Geschäftsführer. Dann ging er ins Ausland. Wenn er nicht unterwegs ist, lebt er in Frauenkirchen im burgenländischen Seewinkel. Mit einem Projekt ist er seit fünf Jahren wieder in Niederösterreich beschäftigt: Gemeinsam mit Winzer Markus Huber aus dem kleinen Weinbaugebiet Traisental gründete er die Firma "New Chapter", um einen Grünen Veltliner aus Österreich für den internationalen Markt zu kreieren (daher heißt er nur "Gruener"). Inzwischen werden 50.000 Flaschen im Jahr abgesetzt. Und dann wäre da noch trockener Weißwein aus dem ungarischen Süßweingebiet Tokaj, den er mit der Ungarin Rita Takaro vertreibt, die in Oberösterreich lebt. Takarö unterstützte Moser auch im Europark. Mosers Weine aus China sind aus der Rotweinsorte Cabernet Sauvignon (Moser: "Ich habe nichts anderes"), aber nicht alle rot. Denn der Blanc de Noir ist ein weiß gekelterter Rotwein, eine Spezialität. Ab und zu gibt es das zum Beispiel bei Champagner. Die Trauben werden dafür so schonend gepresst, dass keine roten Färb- oder Gerbstoffe aus der Schale in den Most gelangen. Moser lässt den Wein noch ein Jahr in neuen Barrique-Fassern reifen, am Markt ist gerade der Jahrgang 2021. Das Beispiel zeigt, was Moser will - nicht "französische Grand Cru nachbasteln", sondern eigenständige Weine keltern. Über den Blanc de Noir sagt er: "Auf diese Innovation bin ich sehr stolz." Er selbst sieht ihn am ehesten in der Nähe von kalifornischen Chardonnays, doch er erinnert - auch von der Farbe her, leicht zwiebelschalig, durchaus an Grauburgunder. Interspar-Chef Johannes Holzleitner sagt, die Weine aus China seien natürlich ein Nischenprodukt, aber die Weinwelt unterstreiche damit ihre führende Position.